Rekordergebnis für Martin Schulz bei der Wahl zum Parteichef — Mister Hundertprozent

Rekordergebnis für Martin Schulz bei der Wahl zum Parteichef — Mister Hundertprozent

Im finalen Programmentwurf übernimmt das Hannelore Kraft.

Der bisherige SPD-Chef Gabriel wurde zuvor mit langem Applaus von den Delegierten verabschiedet. Gabriel wird den Laudator für Schulz geben - so selbstlos, wie eben möglich.

Amtsübergabe: Martin Schulz neben dem scheidenden SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel. Auffällig an dessen Parteitagsrede seien vor allem die Leerstellen gewesen, kritisierte Linken-Chefin Katja Kipping in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Montag).

An drei Punkten formulierte Schulz dann aber doch recht klar, wohin die Reise gehen soll. 100 Prozent der Genossen wählten ihn am Sonntag zum neuen Parteivorsitzenden.

Schulz schlug gleich zu Beginn seiner Rede auf dem SPD-Parteitag in Berlin einen weiten Bogen in die Geschichte der Partei. Und heute steht dieses Europa glänzend da, seit über 70 Jahren hat es keinen Krieg gegeben, die alten Feinde Frankreich und Deutschland stehen Seite an Seite, Polen muss sich vor der Übermacht der Deutschen nicht mehr fürchten, wir sind von Freunden umzingelt. Aber Vorsicht, das Ländchen an der Seite zu Frankreich hat schon des Öfteren eine wichtige Rolle gespielt. Anschließend wurde Schulz einstimmig in einer offenen Abstimmung per Handzeichen auch zum Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl am 24.

Schulz kann im Moment sagen, was er will: Er wird immer, wo er auftritt, euphorisch beklatscht. Er könne am 29. Die SPD wolle das zusammen mit den Gewerkschaften durchsetzen.

In sechs Monaten soll Martin Schulz die amtierende Regierungschefin Angela Merkel von der CDU aus dem Kanzleramt bugsieren. 605 gültige Stimmen, 605 Ja-Stimmen, eine historische Wahl. "Der hat einfach irgendetwas", hört man Schulz-Fans sagen. Ähnlich hatte es Schulz am Sonntag bereits nach seiner Wahl formuliert: "Ich glaube, dass dieses Ergebnis der Auftakt zur Eroberung des Kanzleramtes ist". Minutenlange stehende Ovation, ein gerührter Martin Schulz.

Einer aktuellen Umfrage zufolge befürworten 39 Prozent der Befragten eine rot-rot-grüne Koalition im Bund - für eine Große Koalition sprachen sich 49 Prozent aus.

F wie Familie: Seine Ehefrau, eine Landschaftsarchitektin, hält er komplett aus der Öffentlichkeit heraus. Auch Berufsausbildungs- und Meisterkurse sollen kostenlos werden.

Eine Bilanz, die schmerzen muss.

K wie Kicken: Schulz wollte Profi-Fußballer werden. Die Veränderungen in der Gesellschaft hätten die jungen Menschen wieder politisiert. Was ist, wenn ähnliches mit Merkel passiert? Schulz drückt dem 1. Schulz spricht von Bildungschancen.

S wie Sucht: Nachdem der Fußballer-Traum platzt, greift der junge Buchhändler aus Frust irgendwann zur Flasche.

Schulz thematisierte auch europakritische und demokratiefeindliche Bewegungen. "Ich war ein Sausack". Und Schulz nahm die Wahl an - tief bewegt, wie es sich für solch ein Resultat gehört.