"Schulz ist Merkel minus Raute plus Furor" — Pressestimmen

Barley verwies auf den Programm-Parteitag der SPD im Juni dieses Jahres. Bei Schulz waren die Jusos gestern wahrscheinlich knapp davor, das auch zu tun. "Wenn nicht in unserem Land, wo denn dann?", sagte sie in der ARD.

Merkel zeigte sich bisher betont gelassen angesichts der unter Schulz im Aufwind befindlichen SPD. Selbst die Flügel der SPD schlagen derzeit im Gleichtakt - die Sozialdemokraten, eben noch gerupft und lahm, fliegen wieder. "Die SPD hat Erfahrung damit, wie man mit Vorsitzenden NICHT umgeht".

Ob sie an ihre eigene Partei denkt, als sie später einen Sensor beäugt, der Temperatur und Geräusche in einem Bienenstock aufzeichnen und ermitteln kann, wie es den Tieren geht? Daneben werden die Länder Algerien, Tunesien und Libyen teilnehmen.

Genau dafür haben sie ihn nun auf den Thron gehoben, ihren Hoffnungsträger. Gabriel bedankt sich für die Ovationen mit der Bemerkung, die SPD habe seit Jahrzehnten keinen optimistischeren Übergang mehr erlebt.

Es liegt jetzt an jedem und jeder Einzelnen in dieser Partei, die Euphorie und die Botschaft, die der neue Parteivorsitzende und Spitzenkandidat verbreitet, weiterzutragen.

Martin Schulz tritt bei der Bundestagswahl am 24.

Vor allem in vier Punkten wird Schulz dann doch nochmal konkreter. "Hier muss er Farbe bekennen und auch klar sagen, was jetzt gegebenenfalls im Bundestag noch entschieden werden kann", sagte Bartsch. Die Unions-Pläne seien extrem ungerecht, unvernünftig und spalteten die Gesellschaft. Er sei "der Mann aus Würselen", das fünfte Kind "einfacher und anständiger" Leute. Im Moment scheint alles möglich, auch die Kanzlerschaft. Notwendig sei auch eine staatlich geförderte Familienarbeitszeit, um Eltern durch kürzere Arbeitszeiten zu entlasten. Wer, wenn nicht er, kann der Kanzlerin an dieser Stelle Paroli bieten. Bemerkenswert war auch, dass Gabriel den Eindruck hatte, selbst ans Rednerpult treten zu müssen - obwohl in einer solchen Situation eigentlich eher ein Gefolgsmann in die Bresche springen müsste.

Auch die Linkspartei fordert von Schulz Taten statt Ankündigungen. Doch die Finanzierungsfrage lässt er weitgehend offen. Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, die im Mai wiedergewählt werden will, gibt mit den Eröffnungsworten die Tonlage vor: "Heute setzen wir den Schulz-Zug auf die Gleise". Die SPD dürfe sich, so lautet seine wichtigste Mahnung, nicht dazu hinreissen lassen, als Partei der blossen Umverteilung aufzutreten, die wirtschaftliches Wohl und soziale Gerechtigkeit als gegensätzlich betrachte. Er bietet Rechtspopulisten die Stirn, wirbt für die Pressefreiheit. "Wir sind nicht die besseren Menschen, die anderen Demokraten nicht der Feind", mahnt er zu Fairness und einem neuen Miteinander. "Wir sind ja erst am Anfang eines Wahlkampfes".

Emotional wird er beim Thema Europa. Das gehe nur mit einem SPD-Kanzler. "Unglaublich", sagt sie noch, als in der Arena in Berlin-Treptow bereits die Stuhlreihen der Krönungsmesse abgebaut werden. Die Union werde in den nächsten Wochen ein Programm erarbeiten, zu dem "eine spürbare Steuersenkung für kleinere und mittlere Einkommen" gehören solle. Seitdem haben sich die Umfragewerte der Partei deutlich verbessert. Geliebt haben sie ihn nie. Offensichtlich hat er deswegen nun seine Teilnahme am Koalitionsgipfel Ende des Monats abgesagt.

Mit dem Parteitag von Berlin ist der Wahlkampf eröffnet. Schulz sagt, es sei "der Auftakt zur Eroberung des Kanzleramts".

Gabriels Verzicht hat sich jedenfalls ausgezahlt.

Kurt Schumacher, der erste Vorsitzende der nach dem Krieg wieder aufgebauten SPD, holte 99,71 Prozent der Stimmen.

Nach der Bluttat am Brunnenmarkt, bei der im Mai 2016 eine Frau mit einer Eisenstange attackiert und tödlich verletzt worden ist, ist von Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) eine Sonderkommission eingesetzt worden, um ein allfälliges Behördenversagen festzustellen. Redakteur Benjamin Köhler erklärt, wie Umfragen funktionieren - und wann sie tatsächlich Sinn machen. Zum Beispiel rhetorisches Geschick: Der neue SPD-Chef redet mehr oder weniger frei, gestenreich, mal wird er laut, mal spricht er sanft.